Die Schwankhalle ist eine Spiel- und Produktionsstätte für die freien darstellenden Künste in der Bremer Neustadt. Seit August 2022 wird das Haus von Anna K. Becker, Rahel Häseler und Katrin Hylla geleitet.
Die Schwankhalle präsentiert die Vielfalt der darstellenden Künste. Aktuelle Positionen aus Performance, Theater, Tanz, Musiktheater und verwandten künstlerischen Formen kommen hier in Eigenproduktionen, in Arbeiten lokaler Künstler*innen, sowie in nationalen und internationalen Gastspielen und Koproduktionen auf die Bühne. Auch Konzerte, Diskursveranstaltungen und andere Versammlungsformen sind Teil des Programms – vom Bootsballett auf dem Werdersee bis zum Nachbarschafts-Chor. Dabei schwärmt die Schwankhalle auch immer wieder an andere Orte aus und entwickelt Formate für verschiedene Räume in der Stadt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Performances und Theaterstücken mit und für Kinder und Jugendliche. Generationsübergreifende Aufführungsformate und familien*freundliche Angebote sind Bestandteil des Spielplans. Die Schwankhalle steht für das Spielen, für neu gedachte Versammlungsformen, für Begegnungen aller Art und nicht zuletzt: Für Vergnügen und Überraschungen!
Als Verstärkerin der Freien Szene Bremens bietet die Schwankhalle lokalen Künstler*innen und Gruppen Residenzen, Aufführungsmöglichkeiten, Koproduktionen, gemeinsame Netzwerkarbeit und kulturpolitische Strategieentwicklung. Sie arbeitet eng mit dem Landesverband Freie Darstellende Künste Bremen (LAFDK) zusammen. Nationale und internationale Gastspiele erweitern das Spektrum der künstlerischen Positionen. Dabei bietet die Schwankhalle auch Raum für die Präsentation von Forschungs- und Arbeitsprozessen und möchte den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen fördern.
Die Schwankhalle verfolgt das Ziel, Spiel- und Denkräume für notwendige neue Formen des Theaters zu ermöglichen und ihre eigenen Strukturen, Arbeitsweisen, Zugänge und Barrieren zu reflektieren und transparent zu machen. Das Haus möchte sich einem Lern- und Öffnungsprozess stellen – mit dem Ziel, vielfältigen Perspektiven Platz zu machen, Verhandlungsraum zu sein und Allianzen zu bilden.
Die Schwankhalle ist Teil der Netzwerke NFT – Netzwerk Freier Theater und FREISCHWIMMEN im Programm »Verbindungen fördern« sowie Mitglied im LAFDK Bremen und klangpol – Netzwerk Neue Musik Nordwest. Zusammen mit dem Theater Bremen veranstaltet die Schwankhalle biennal das Performing Arts Festival OUTNOW! für nationalen und internationalen Nachwuchs.
In vielen künstlerischen Arbeiten sind wir als Kunstschaffende mit (Post-)Kolonialismus konfrontiert. Während regulärer Produktionsprozesse von Theater, Tanz und Performance bleibt kaum Zeit, sich mit dem Thema und dem Umgang damit intensiv auseinanderzusetzen. Daher soll in dieser Residenz eine Wissensgrundlage geschaffen werden, die für künftige Produktionen hilfreich dazu ist, mit (Post-)Kolonialismus umzugehen, ihn implizit und explizit zu verhandeln und im besten Falle zu überkommen. Als Residenzort eignet sich wegen seiner kolonialen Vergangenheit und der nach wie vor wichtigen Stellung als Hafenstadt die Hansestadt Bremen. Während der Residenz sollen dort und anderswo leitfadengestützte, qualitative Interviews durchgeführt werden, mit Künstler:innen, Wissenschaftler:innen verschiedenster Disziplinen und Personen mit Flucht- oder Migrationserfahrung. Besonderes Augenmerk möchte ich auf Strategien legen, mit denen (Post-)koloniale Perspektiven besiegt werden können. In vorangegangenen Projekten hat sich der Posthumanismus als mögliches philosophisches Konzept hierfür gezeigt. Diese Spur möchte ich während der Residenz intensiv weiter verfolgen. Die Interviews sollen dokumentiert und transkribiert werden. Gegen Ende der Residenz sind auch kleine Diskussionsrunden mit mehreren Beteiligten denkbar, um unterschiedliche Perspektiven direkt miteinander zu kontrastieren. Insgesamt sind sieben Gespräche geplant. Sobald die Interviewpartner festgelegt wurden, wird ein Leitfaden für die Interviews erstellt. Da es sich um qualitative Interviews handeln wird, sind diese in ihrer Zeitlichkeit nicht begrenzt. Die Ergebnisse aus dieser Residenz werden für künftige Projekte eine solide Basis bilden, mit der dem Themenkomplex (Post-)Kolonialismus souverän begegnet werden kann.
Veronika Wagner
Veronika Wagner studierte Theaterwissenschaft und Iranistik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Neben dem Studium wirkte sie im Deutschen Theatermuseum München an diversen Publikationen sowie Ausstellungen mit und organisierte die philosophisch-filmwissenschaftliche Gesprächsreihe cinephil & philosoph.
Sie schreibt für die Neue Deutsche Biografie und gibt am Institut für Theaterwissenschaft der
Ludwig-Maximilians-Universität Seminare zum Thema Kulturvermittlung und Tanz- bzw. Theaterhistoriografie.Darüber hinaus arbeitet sie als freie Dramaturgin und Produktionsleiterin in der freien Szene. Für den fachbetrieb rita grechen, das SPIELART Theater Festival, die Choreografinnen Anna Konjetzky, Dragana Bulut, Gabriele Reuter und Lena Grossmann und die Regisseurinnen Caitlin van der Maas, Verena Regensburger, Mirella Oestreicher und Anina Jendreyko sowie Mouse on Mars und Michael Akstaller war und ist
sie als Dramaturgin und/oder Produktionsleiterin tätig. 2020 war sie für Joint Adventures – Walter Heun als Dramaturgin und Produktionsleiterin bei der Tanzwerkstatt Europa aktiv. Außerdem konzipiert sie zusammen mit dem bildenden Künstler Toshio Kusaba die Veranstaltungsreihe Amanationen. 2021 startete sie die Zusammenarbeit mit Sandra Chatterjee an den Projekten Smells of Racism und Smells of Coexistence, welche sich mit Geruch und Rassismus sowie der tänzerischen Darstellung des Themas beschäftigt.
Ela Fischer sucht die Verbindung von Körper und Emotionen und überträgt diese in Sound. BASSLAUF ist eine Auseinandersetzung mit dem Beat, der als Herzschlag unser Empfinden prägt und der als Beat in der Musik das Moment ist, an dem sich Musik und Körper in der Bewegung verbinden. Gibt es einen gemeinsamen Basslauf des Herzens, der trotz Distanz und Unterschiedlichkeit in uns allen schlägt?
Bio
Maren Becker sieht es als Teil ihrer künstlerischen und aktivistischen Praxis, bestehende Hierarchien undDominanzstrukturen zu hinterfragen und nach alternativen Möglichkeiten in Kommunikation und gemeinsamerArbeit zu suchen. In kollektiven Arbeitszusammenhängen gibt es immer wieder Entscheidungsfindungsprozesse in denen verschiedene Diskriminierungserfahrungen die gleichberechtigte Teilnahme am Prozess selber unmöglich machen. Dies wird vor allem sichtbar, wenn es sich um sprachbasierte Entscheidungsprozesse habdelt, und Personen zum Beispiel nicht gleich gut eine Sprache sprechen können, oder auch nicht die gleichen Fähigkeiten des Sprechens und Verstehens haben. Maren Becker möchte daher in der Residenz nach anderen Methoden kollektiver Kokreation suchen und diese zusammen mit der Gruppe i can be your translator ausprobieren und erproben.
Maren Becker
Als Teil von i can be your translator möchte Maren Becker kollektive Entscheidungsprozesse in einer diversen Gruppe anhand von vorherigen Produktionen untersuchen. Zusammen mit der Gruppe möchte sie nach alternativen Methoden jenseits von Sprache als einziges Mittel zur Verständigung und Einigung suchen.
Maren Becker arbeitet als freie Theatermacherin, Musikerin und Produktionsleitung im Ruhrgebiet. Sie ist Teil des Performancekollektivs STERNA | PAU und arbeitet seit 2019 mit der Gruppe i can be your translator zusammen. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich unter anderem mit Formaten von Aktivismus an der Schnittstelle zu Kunst, mit Themen wie Gerechtigkeit, intersektionalem Feminismus und Digitalisierung. Momentan ist sie auf der Suche nach dem für sie perfekten Synthesizer.
Für „Darf ich um diese Correspondance bitten?“ schreibt sich Aidan Riebensahm in der Isolation des mittlerweile zweiten Corona Winters in Deutschland in die Briefkästen der eigenen Netzwerke ein. Imaginierte und Physische Abstände eines diasporischen Lebens in Deutschland und der Coronapandemie sollen einer Verbundenheit und Nähe weichen.
Der handschriftliche Brief wird für Darf ich um diese Correspondance bitten? zur Berührung, die den Touchscreen überdauert. Die Trennlinie zwischen Privat und Öffentlich läuft in diesem Rechercheverfahren entlang des befeuchteten Klebestreifens der Briefumschläge. Mit beharrlicher Ausdauer und gnadenloser Geduld wartet Aidan Riebensahm die Erwiderung dieser Berührungen ab. Die Correspondances folgen einer langsamen Choreografie. Die zusammenführt, was nur gemeinsam bestehen bleiben kann. Befüllt mit Briefen, Collagen und Gedichten über_setzen die Sendungen Distanzen in die Hände der Adressierten. Dort entstehen kleine Aufführungen der Kontaktaufnahme, Fürsorge und Vulner_Ability – oder auch der verstörende Versuch Ausdrücke für den Gegenwärtigen Horror zu finden.
Eine Produktion von Aidan Riebensahm in Kooperation mit der Schwankhalle Bremen. Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Fonds Darstellende Künste.
Correspondancer*in: Aidan Riebensahm
Aidan Riebensahm
Aidan kam 1992 im Leinebergland zur Welt und setzt sich mit der Imagination von Verbundenheit, widerständiger Erholung und dem sprengen von Binaritäten auseinander.
Aidan arbeitet als Performancekünstler*in, Autor*in und Moderator*in. Zu Letzt stand Aidan für SWEAT. Eine Performance in 12 Kraft-Akten auf Theaterbühnen. Im freien Schreibkollektiv Break Room tauscht Aidan sich regelmäßig mit BIPoC Autor*innen über aktuelle Schreibprojekte aus.





